Die Freiheit nehm ich mir

Wer, wie ich, ein Kind der 80er ist, wird sich bestimmt noch an diesen Werbe-slogan einer Kreditkartenfirma erinnern:

Auch wenn wir momentan in einer Zeit voller Einschränkungen leben, so kann ich mir die Freiheit nehmen, meine Gedanken so zu wählen, dass sie mich unterstützen und auf meinem Weg weiterführen. Wie meine wunderbare Freundin Laya so schön formuliert: „Hilfreich ist das neue Wahr.“

https://layacommenda.com/

Ich entscheide mich für mein Narrativ.

Ich kann diese ungewöhnliche Zeit etwa als hyggeliges Gedankenfreiheits-Bootcamp betrachten, indem ich diese Gedankenvögel alle frei erkunden lasse, in welche Richtung sie fliegen möchten.

Ich entscheide, ob mein Februar grau und regnerisch wird oder rosa – ein Monat der Liebe und des Frühlings, mir mein Wohnzimmer mit Hyazinthen fülle und den Duft des Aufbruchs wahrnehme. Mein März ist übrigens sonnengelb und grün mit lauter Osterglocken (Narzissen).

(Foto Friedrich Schweiger)

Ich entscheide mich dafür, wie ich reagieren will auf das, was von Außen auf mich zukommt, egal mit welch hässlicher Fratze.
„Die Freiheit nehm ich mir“, vom Autopiloten auszusteigen und bewusst zu lenken.

Ich nehme mir auch die Freiheit zu schreiben, worüber ich will.
Wohin mich meine Feder führt, das darf kommen.
Ich beuge mich keinerlei Zensur. Meine innere Stimme gehört gehört – zumindest von mir.
Ich habe sie zu lange zum Schweigen verdonnert, hab dem Lauten nachgegeben – aber nun lass ich sie frei und schätze, was sie mir sagen will.

„Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten…“ so lautet ein Volkslied, dessen Kernaussagen wir schon bei Freidanks Bescheidenheit 1229 finden:

diu bant mac nieman vinden,
diu mîne gedanke binden.
man vâhet wîp unde man,
gedanke niemen gevâhen kan
Das Band kann niemand finden,
das meine Gedanken bindet.
Man fängt Weib und Mann,
Gedanken niemand fangen kann.

Im Lied lautet es übrigens in der 4. Strophe so:

Und sperrt man mich ein
im finsteren Kerker,
das alles sind rein
vergebliche Werke;
denn meine Gedanken
zerreißen die Schranken
und Mauern entzwei:
die Gedanken sind frei.

Was für eine tröstliche Erkenntnis!

Egal, wie die Welt sich mir zeigt, ich hab immer noch meine Freiheit, meine eigenen Worte.

SCRIVO, ERGO SUM.

(Bibliothek in Kingston Lacy, Foto: Friedrich Schweiger)

Ich wünsche euch viel Schreibzeit und einen guten Tintenfluss in eure Freiheit.

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