Manchmal muss man gar nicht weit reisen, um in eine andere Welt zu tauchen.

Für mich beginnt sie, sobald die Berge höher werden, der Himmel weiter und das Tempo spürbar anders:
das Außerfern – ein Stück Tirol, das sich wie ein Geheimtipp anfühlt.

Zwischen sanften Wiesen, alten Dörfern und klaren Seen liegt hier eine Region, die mit der Natur tief verbunden und zugleich von einer poetischen Schönheit ist.
Das Außerfern ist kein Ort, der sich aufdrängt – es ist einer, der dich atmen und deinen eigenen Takt finden lässt.
Bin ich eine Außerfernerin? Nein, ich bin erst 36 Jahre hier. 😉
Fühle ich mich wahrgenommen, vorsichtig willkommen geheißen und wertgeschätzt? Ja, natürlich.
Die geografischen und wirtschaftlichen Härten dieser Region im Nord-Westen von Tirol haben die Menschen über Jahrhunderte geprägt. Das Außerfern trägt den Namen nicht zu Unrecht. Schon Dr. Anna Dengel, Medizinerin und Ordensgründerin aus Steeg, hat auf die Frage, woher sie denn komme, geantwortet: „Vom Ende der Welt.“

Auch heute noch ist es für Innsbruck und die Politik selbstverständlich, von Außerferner*innen zu erwarten, jederzeit in die Landeshauptstadt zu kommen. Diese Distanz vom Bezirk Reutte dorthin wird als deutlich geringer wahrgenommen als sie es ist. Der umgekehrte Weg, wenn man von Innsbruck, einmal, wie etwa vor einigen Monaten zur Stadterhebung Reuttes ins Außerfern fahren musste (oder soll ich sagen „hätte fahren sollen“ 😉), so scheint er so unendlich weit.
Diese exklusive Lage ist gepaart mit einer landschaftlichen und natürlichen Schönheit, die in der Fülle und Unaufgeregtheit hier an jeder Ecke zu finden ist. Vom unberührten Lechtal, übers Tannheimer Tal, dem schönsten Hochtal, bis zum reich mit Lüftlmalerei geschmückten Hauptort Reutte – man wird überall beschenkt mit ergreifender Anmut. Natürlich haben auch Zwischentoren und die Region um die erste Stadt des Bezirkes, also Vils, ihren Reiz, die Zugspitze ist hier und markiert die Grenze zu Deutschland, der Lechweg verbindet den Ursprung des Lechs mit dem Fall in Füssen.

Und die Sprache ist auch etwas Besonderes.
Tirolerische kernige Konsonanten gepaart mit schwäbisch-alemannischen Zügen und vielen offenen A’s – ahhh… Und wie in Tirol so üblich, in jedem Tal/Dorf ein anderer Dialekt – eigen-artig zum Quadrat und von mir heiß geliebt: die Sprache im Lechtal mit ihrer höchst individuellen Art, starke Verben im Partizip II zu beugen: „gsitzt, gesst, getrunkt, …“
Die Region ist durch den Fernpass vom Rest Tirols getrennt (selbst wenn er ursprünglich als Verbindung gedacht war, so ist er samstags und im Urlauberverkehr ein veritables Hindernis), sie ist nach Norden allerdings offen. Das und die globale Bedeutung der Planseegroup führen zu einer internationalen Durchmischung und zu schillernden Farben im Tiroler Gewebe.
Vor Jahren habe ich als Kabarettistin bei den „Wepsen“ den „Außerfern-Blues“ gesungen, über die Hürden, die es für mich gab als Neuling mit Osttiroler Migrationshintergrund. Eine Zeile hieß: „… und trotzdem ist es dort so fürchterlich schön …“ Ja, das ist es.
Für alle, die hier wohnen oder das Außerfern entdecken wollen, feiere ich im November meine Wahlheimat mit diesen drei Veranstaltungen.
📚 Schreibabend in der Bibliothek Reutte
Mittwoch, 12. November, 19:00 Uhr
Ein Abend für alle, die schon lange schreiben wollen oder einfach neugierig sind, was passiert, wenn man dem eigenen Stift wieder einmal zuhört.
Mit kleinen Impulsen zum Thema „Wohlfühlen im November“ entdecken wir, wie viel Leichtigkeit und Zauber im Schreiben stecken, wenn man es einfach tut.
Es sind keine Vorkenntnisse nötig, nur Lust auf Sprache und ein bisschen Mut zum Sich-darauf-Einlassen. Und keine Sorge, niemand muss etwas vorlesen.
Bitte melde dich bei mir unter hermann.gudrun@icloud.com oder in der Bibliothek unter 05672 62382 an. Weitere Informationen findest du hier.
🎨 Lesung „Phänomenale Frauen“ im Zunftmuseum Bichlbach
Freitag, 14. November, 19:00 Uhr
Inmitten und zu Gast in der aktuellen Ausstellung der Außerferner Künstlerin Christine Schneider im wundervoll revitalisierten Zunftmuseums in Bichlbach veranstalte ich meine „Lesung der anderen Art.“ Ich stelle Texte phänomenaler Frauen vor, von Virginia Woolf bis Maya Angelou, von Emily Dickinson bis zu meinen eigenen. Wir entdecken, was zeitlose Worte mit uns und unserer heutigen Welt zu tun haben. Ein Abend über Mut, Kreativität und die Freude, sich selbst durch Sprache wiederzufinden.
Der Eintritt ist frei.
Bitte melde dich bei mir unter hermann.gudrun@icloud.com oder bei Christine Schneider unter 0664-9226190 an.
🕯 Schreib-Retreat „Worte. Wunder. Wochenende“ in Grän
27. – 30. November 2025 (Do ab 15.00 bis So mittags)
Wer einmal in Grän war, weiß, warum man immer wieder hierher kommen mag.
Der Haldensee liegt still zwischen den Bergen, der Stille zieht über das Wasser, und manchmal scheint die Welt für ein paar Stunden anzuhalten.
Genau dort findet mein Schreib-Retreat statt: ein langes Wochenende zum Ankommen und Reflektieren, zum Auftanken und Schreiben.
Wir nehmen uns Zeit für das, was sonst zu kurz kommt: Stille, Austausch, Journaling, Spaziergänge, inspirierende Gespräche – und natürlich jede Menge Worte, die gut tun.
Ein Retreat für alle, die spüren, dass Schreiben Selfcare ist.
👉 Alle Infos & Anmeldung findest du hier.
🌿 Fazit: Mein Außerfern-November
Es ist ein Monat voller Begegnungen, Inspiration und leiser Momente – zwischen Büchern, Bergen und besonderen Frauen.
Vielleicht sehen wir uns ja bei einem dieser Termine.
„Kumm’sch oh?“ (wie es hier heißt)
„Kommst du auch?“
Ich freu mich auf jede Begegnung, jedes Wort und jede Geschichte, die dazukommt.
Deine Gudrun Hermann
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