Die Fastenzeit und mein neuer Freund

Fastest du in der Fastenzeit?
Ich faste fast.

Ich mag Rhythmen.
Ich mag die Kraft von Zyklen: Sonnenwende. Frühlingsbeginn. Tageslicht, das zurückkehrt. Diese Bewegungen, die tief in der Natur und in unserer Menschheitsgeschichte verankert sind.

Sie tun mir gut.

Was ich nicht so mag, ist ihre kommerzielle Überlagerung.

Werden wir spätestens ab 11. 11. um 11:11 (wenn nicht noch früher) mit Faschingskrapfen bombardiert, so ist dies ab dem Aschermittwoch mit Heringsschmaus-Gelagen oder Diät- , Detox- oder Fastenprogrammen, gerne in teuren Locations oder mit erhobenem Zeigefinger, jetzt doch abzuspecken in unseren „normalen“ BMI. (Um dann wieder ausgehungert und bereit für die OsterOpulenzen zu sein. 😉)

Ich mache nichts dergleichen.

Ja, ich wünsche mir auch mehr Leichtigkeit – liebevoll und ohne Vorwurf. Alles Schwere hatte ja auch seinen Grund.

Viele von uns sind mit einer Angst vor Mangel groß geworden.
„Heb das auf.“
„Man weiß ja nie.“
„Das war teuer.“

Wir haben gelernt, MEHR ist besser, Vorräte anzulegen und zu denken: Wer weiß, wann dieses Produkt zu diesem Preis wieder erhältlich ist? Und über allem steht: ja nichts wegwerfen! Rohstoffe sind kostbar, Erworbenes teuer und wer weiß, ob man das nicht irgendwann einmal brauchen kann.

Und dieses Mehr ist Mehr wurde auch durch Werbung von einer wachstumsorienterten  Wirtschaft unterstützt.

Ich inmitten meiner Krimis: und das sind nur die von Agatha Christie 😉 – Ausmisten? No way!

Nun sitze ich hier – mit zu viel Kleidung, zu viel Kosmetik, zu viel Wolle, zu vielen Büchern, zu vielen Zeitschriften, zu viel Tee, zu vielen Gewürzen. (Über Schreibwaren sprechen wir besser nicht.)

Ausmisten fühlt sich für mich falsch an.
Es ist kein Mist. Es sind gute Dinge.

Und so habe ich mir einen neuen Freund ins Leben geholt.

Darf ich vorstellen?

TaDa… ✨ Der Genugpunkt.

Er ist leise. Ich muss genau hinhören, was er zu sagen hat. Und er flüstert mir ins Ohr:

Genieße andächtig und dankbar, bis das Produkt an das Ende seiner Laufzeit kommt, sprich bis es entweder aufgebraucht oder kaputt ist.

Mein Artist’s Journal: Gedanken zum Aschermittwoch, inspiriert von Ramona Weyde (mehr dazu in Kürze)

Gelesene Bücher wandern in die Büchertelefonzelle in unserem Ort zur Gratis-Entnahme, Magazine ernte ich für Collagen und Kunstprojekte.

Und so taste ich mich langsam an meinen Genugpunkt heran.

Bild: geralt von Pixabay

Gelingen kann dies allerdings nur, wenn man nicht wieder im selben Ausmaß nachkauft. Durch mehr Bewusstsein für diese Dynamiken und das Reduzieren von Stress im Alltag klappt das zunehmend besser.

Ich bin am Beginn dieser Fastenreise – und sie ist langsam. Und für mich passt das auch.

Vielleicht ist das mein Fasten:
Nicht Verzicht.
Sondern Wertschätzung.

Nicht so wenig, wie möglich (nötig) haben.
Sondern erkennen, wann es genug ist.

Alles Liebe,
deine Gudrun 💛

P.S. Wo sind deine „Zuviel“-Bereiche?
Und wie würde dein persönlicher Genugpunkt aussehen?
Ich freue mich auf deine Gedanken in den Kommentaren.

  1. Avatar von Daniela Hahn
    Daniela Hahn

    Hallo Gudrun, das sind gute Gedanken. so ergeht es mir auch. Ein Keller voller Kreativsachen. Sehr teuer, sehr lange gesammelt. Noch gut. Das brauche ich irgendwann noch mal. Ich denke in letzter Zeit auch öfter wann ist es genug. Wann bin ich zufrieden und satt. Deine Gedanken will ich sehr gerne mit nehmen, nicht nur in der Fastenzeit, sondern in meinen Alltag. Vielleicht sehen wir uns bald wieder. Baba Danie 😘

    1. Avatar von Gudrun

      Liebe Daniela, satt-sein klingt gut, positiv erfüllt. Und das entsteht im Tun und Sein, weniger im Haben. Wir sind auf dem besten Weg. Bis bald, Gudrun

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