Einfach so

Derselbe Ort wie unten im Bild – nur ein paar Wochen vorher

Vor kurzem habe ich ein Buch gekauft – keines, das ich für den Unterricht brauchen kann, keines, aus dem ein Webinar entstehen wird, keines, das meine Bildung fördert.

Einfach so.

Und während ich es genüsslich in der Sonne lese, dachte ich mir: Warum fällt es mir so schwer, etwas „einfach so“ zu machen, zu meinem reinen Vergnügen, aus einem Impuls heraus?

So vieles von dem, was ich tue, hat einen Zweck. Es scheint, als bräuchten wir als Erwachsene eine Legimierung für nahezu alle unsere Handlungen.

Wir lesen, um etwas zu lernen.
Wir gehen spazieren, damit wir Schritte sammeln.
Wir beginnen Hobbys und überlegen drei Wochen später, ob man daraus vielleicht ein Business machen könnte oder wenigstens eine Vernissage, eine Lesung, ein Konzert.

Sogar Entspannung und Kreativität werden manchmal zur Aufgabe.

Und ich verstehe das ja.
Unsere Zeit ist kostbar.
Wir wollen sie gut nutzen.

Aber ich frage mich trotzdem:
Wann habe ich eigentlich aufgehört, Dinge einfach nur zu mögen? Und das als Grund genug anzusehen, sie zu genießen.

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Als Kind konnte ich mich sooo lange auf und über Kleinigkeiten freuen.

Auf neue Stifte. (Hast du auch noch den Geruch diverser Farben aus der Kindheit in der Nase?)
Den ersten Ferientag. (Diese unendliche Weite …)
Ein bestimmtes Eis. (z. B. „Der blaue Riese“ – ein Zwetschkeneis, das ich jahrzehntelang nicht mehr gesehen habe…)
Eine Kassette, ein Buch, einen Tag im Schwimmbad.

Nicht, weil es produktiv gewesen wäre, sondern als reine Vorfreude auf etwas Schönes.

Heute läuft es für viele von uns anders. Wir funktionieren anhand von To-Do-Listen und haben fast Sorge, dass wir uns diese kleinen Freuden in unserem Alltag gar nicht leisten können.

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Vielleicht brauchen wir Erwachsenen deshalb nicht nur mehr Pausen, Freizeit oder Urlaub.

Sondern mehr zweckfreie Freude.

Das habe ich letztens einfach so gezeichnet, in mein BuJo und ohne Anspruch auf künstlerisches Können – und schön war’s

Mehr Dinge, die zu nichts führen müssen.

Ein Buch, das man einfach so liest. (Zum Beispiel meinen Roman 😉, falls du ihn noch nicht kennst)
Ein Kurs, rein aus Interesse an etwas Neuem. (Schau gerne bei „Phenomenal Women Write!“ vorbei. Hier findest du 12+1 großartige Möglichkeiten dafür.)
Ein Aquarellbild, ohne es jemandem zeigen zu wollen.
Ein Notizbuch und Schreiben, ohne Wunsch nach Veröffentlichung.
Ein Nachmittag ohne „Outcome“.

Einfach so.

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Ich glaube nämlich, dass nicht jedes Interesse verwertet werden muss.

Nicht jede Begabung muss sichtbar werden.
Nicht jede Leidenschaft braucht ein Ziel.
Und nicht alles, was wir lieben, muss irgendwann „nützlich“ sein.

Manches darf einfach unser Leben schöner machen.

Wie ein Milan (so glaube ich zumindest, dass es einer war), der letztens am Himmel beeindruckende Runden gezogen hat.
Oder ungewöhnliche Farben von Blumen.

Ich liebe diese Farbkombination von Orange und Pink

Ich erinnere mich gerne an einen Call mit einer dänischen Influencerin. Sie meinte angesichts meines anspruchsvollen Pensums:

„Where is fun, Gudrun?“

Solche Sätze bleiben.

🌿

Und vielleicht ist das heute eine schöne Frage:

Wo ist dein Spaß?
Worauf oder worüber freust du dich heute – einfach so?

Herzlich,
Gudrun

  1. Liebe Gudrun ich grrüße dich herzlich aus Oberösterreich,
    aus dem Bezirk Linz-Land.
    Für deine Zusendungen danke ich dir herzlich.
    Jede Woche sind diese eine Bereicherung ür mich.
    Danke für deine Bemühungen, Gedanken, Inspirationen.
    ***
    Zu deinem heutigen Thema:
    Ich denke, dass wir mit der Muttermilch schon aufgenommen haben, „dass Müßiggang aller Laster Anfang sei“.

    Deshalb denken und fühlen wir so.
    Weil „einfach so“ einfach nicht wünschenswert war in unserer Jugend.
    Ich denke die jungen Menschen haben das nicht mehr in den Gedanken.
    Sie tun, „einfach so“ und das ist gut und richtig.

    Liebe Gudrun ich schicke dir ein Füllhirn von „einfach so“, Segen und die besten Wünsche.
    Herzlichst
    M.M.

    1. Avatar von Gudrun

      Vielen Dank dir, liebe Monika, für deine Worte. Und ja, ich glaube auch, dass das eine Prägung ist. Je älter ich werde, desto mehr erlaube ich mir „weniger müssen und viel, viel mehr dürfen und können.“ Alles Liebe nach Oberösterreich und herzliche Grüße, Gudrun

  2. Avatar von Regina

    Liebe Gudrun,
    „einfach so“ geht einfach so, bei mir schon lang alltäglich.
    Ich kann nicht sagen, wann ich mir zugestanden habe, dass ich mir anlasslos z.B ein neues Kleidungsstück kaufe oder schönes Briefpapier und Stifte, ein Buch … Aber ich erinnere mich daran, wie es mit den Kindern war: überraschend, freudig, glücklich.
    „Einfach so“ war und ist immer eine spontane Entscheidung, aus dem Moment heraus, die nicht weiter begründet, erquengelt, eingefordert oder erwartet werden kann.
    Ich bereite mir – einfach so – einen schönen Frühstücksplatz „wie im Hotel“, weil es mir Spaß macht, nicht, weil ich mich für etwas belohne, weil es ausgewählt gesunde Zutaten enthält oder weil ich frei habe.

    Mir war nicht mehr bewusst, dass diese Haltung nicht selbstverständlich ist und der vorige Kommentar hat mich daran erinnert, dass auch ich mit dem Gedanken aufgewachsen bin, dass „Unnützes“ verwerflich ist, dass mir nicht zusteht, was ich mir nicht verdient habe.
    Ich hoffe, dass sich „einfach so“ als bewusster, entspannter und fröhlicher Gedanke etablieren wird.
    Es tut gut und ist durchaus preis-wert (ohne jedes Mal Kosten zu verursachen).

    Einfach so verregnete Grüße
    Regina☀️

    1. Avatar von Gudrun

      Liebe Regina,

      danke für deinen Kommentar – du beschenkst uns mit so vielen schönen Ideen, z. B. mit dem Frühstücksplatz. Darauf werde ich in Zukunft mehr achten, dass auch, wenn ich alleine frühstücke, mein Tisch so gedeckt ist, dass mein Herz aufgeht.
      Übrigens habe ich in einem Budget-Hotel einmal eine ältere Dame entdeckt, die hübsch gekleidet, mit Ohrringen und auffälligem Schmuck, den schlichten Tisch mit Serviette als Tischdecke gedeckt hat und alles fein säuberlich arrangiert hat, bevor sie das Frühstück zu sich genommen hat. Das hat mir gut gefallen.

      Auch dir einfach so schöne Grüße (noch bei sommerlichen Temperaturen) in den Norden,
      herzlich,
      Gudrun

  3. Avatar von Kathrin
    Kathrin

    Liebe Gudrun,
    danke, danke, danke für dein wunderbares „Manifest an die Muße“!
    Ich geh dann mal und tu was, einfach nur sooooo……
    Bunte Grüße
    Kathrin

    1. Avatar von Gudrun

      Liebe Kathrin,

      ja, mach das – einfach nur so.
      Und ganz gerne und bunte Grüße zurück,
      Gudrun

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